Heilpflanzen bedroht? - Schutz durch kontrollierten Anbau

Karlsruhe, den 21.04.2004. Für den wachsenden Stellenwert pflanzlicher Arzneimittel im Gesundheitswesen gibt es gute Gründe, denn Phytopharmaka sind nicht nur anerkannt wirksam und haben weniger Nebenwirkungen als chemisch-synthetische Präparate, sie sind meisten auch noch preisgünstiger. Die verstärkte Nachfrage scheint aber auch negative Folgen zu haben. Nach Aussagen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören viele Arzneipflanzen zu den bedrohten Arten, das gilt zum Beispiel für Ginseng, die Kanadische Gelbwurz oder Teufelskralle.

Pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) erleben derzeit einen Boom: Über 70% der Bevölkerung nehmen heute Phytopharmaka ein. Nach einer repräsentativen Umfrage des Emnid-Instituts von 2002 sind neun von zehn Patienten mit der Wirkung pflanzlicher Arzneimittel zufrieden. Auch Fachleute haben großes Vertrauen in die Phytotherapie: 36% der Befragten wurde ihr Präparat vom Arzt empfohlen, 32% kauften es auf Anraten des Apothekers.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will Naturheilkunde weltweit unterstützen. Die Naturheilmethoden seien von größter Bedeutung, so die WHO in ihrem "globalen Strategieplan zur Förderung der traditionellen und alternativen Medizin". Sie fordert alle 190 Mitgliedsstaaten auf, sich für die Förderung der Naturheilkunde einzusetzen.

Die WHO betont den Wert der Natur- und Pflanzenheilmittel als bedeutendes Gut für die gesamte Menschheit. Ein Viertel aller modernen Arzneimittel seien, so die WHO, aus Pflanzen der traditionellen Medizin entwickelt worden. Wenn Pflanzenarten aussterben, gehen mögliche Heilquellen für immer verloren Der steigende Verbrauch macht aber deutlich, dass die "Apotheke der Natur" nicht unbegrenzt liefern kann. Etwa ein Zehntel der medizinisch genutzten Pflanzen gelten als gefährdet. Die WHO hat deshalb kürzlich Richtlinien zu korrektem Anbau und Sammeln von Heilpflanzen erlassen.

Das Unternehmen Dr. Willmar Schwabe macht schon seit Jahrzehnten vor, wie kontrollierter Anbau das Sammeln von Wildpflanzen ersetzen kann - zum Wohle von Mensch und Natur. Gegründet 1866 in Leipzig, gehört Schwabe zu den ältesten pharmazeutischen Unternehmen in Europa. Als "Spezialist für Phytopharmaka" ist die Firmengruppe heute einer der weltweit führenden Hersteller von pflanzlichen Arzneimitteln. Eines der am meisten verwendeten Präparate von Schwabe ist Tebonin®, das den standardisierten Ginkgo-Spezialextrakt EGb 761® aus den Blättern des Ginkgo-Baumes enthält.

Der stetig steigender Bedarf an Ginkgo-Blättern führte bereits Ende der 70er Jahre zur Entscheidung, in Frankreich und den USA - und 1995 auch in China - eigene Ginkgo-Pflanzungen zu gründen. Heute beträgt die Ginkgo-Anbaufläche in den drei Ländern insgesamt 1900 ha, auf denen jährlich zwischen 3000 und 4000 t getrocknete Ginkgo-Blätter geerntet werden.

Die bis zu 1,50 m hohen Reihenkulturen stellen besondere Anforderungen an Bodenbeschaffenheit, Pflege, Anbau- und Erntemaschinen. Hier waren jahrelange Forschungs- und Entwicklungsarbeiten notwendig. Die Felder müssen zum Beispiel das ganze Jahr über sehr aufwändig von Unkraut frei gehalten werden, wobei vor allem thermischen (Abflammen) und verschiedene mechanische Bekämpfungsverfahren, z.B. mit der Sternhacke eingesetzt werden. Nach der Ernte werden die Blätter schonend getrocknet und zu Ballen gepresst. Die Arbeitsabläufe auf den Plantagen und Trocknungsanlagen unterliegen dem Regelwerk der guten landwirtschaftlichen Praxis (GAP), so dass eine lückenlose Qualitätssicherung von der Pflanze im Feld bis zum fertigen Arzneimittel gewährleistet ist.

Unsere Ginkgo-Anbauinitiative in China hat zu weiteren Massenpflanzungen in mehreren Provinzen Chinas und zur Verbreitung des Ginkgos als Allee- und Parkbaum in aller Welt geführt. Der Anbau von Ginkgo hat sich also voll bewährt. Im Gegensatz zur Wildsammlung schützt er nicht nur die natürlichen Vorkommen einer Heilpflanze, kontrollierter Anbau hat noch weitere Vorteile:

  • einheitliche Qualität des Pflanzenmaterials
  • Bestimmung des optimalen Erntezeitpunktes
  • geringere Belastung durch Schadstoffe
  • besser planbare Ernteerträge
  • Neue Ertragmöglichkeiten für die biologisch arbeitende Landwirtschaft

Außerdem sprechen auch rein ökonomische Gründe für einen Anbau: Ein neues pflanzliches Arzneimittel zu entwickeln kostet heute Millionen Euro, bis es zur Marktreife gelangt. Es macht keinerlei Sinn, soviel Geld auszugeben, wenn die Versorgung mit der Ausgangspflanze nicht absolut gesichert ist. Eine Investition, die auf einem pflanzlichen Rohstoff basiert, dessen Ressource gefährdet ist, wäre also völlig sinnlos.

Auch andere von Schwabe verwendete Heilpflanzen werden kontrolliert angebaut, so stammt das Johanniskraut für Neuroplant® (gegen depressive Verstimmungen) hauptsächlich von Landwirten aus dem süddeutschen Raum.

Auf eine Wildsammlung wird nur bei solchen Arten zurückgegriffen, die nicht gefährdet sind und deren Bestand durch die Nutzung nicht vermindert wird, wie die Brennnessel, die Sägepalme, von der nur die Früchte, und der Weißdorn, von dem nur Blätter und Blüten gesammelt werden.

In diesem Sinne forscht Schwabe auch für die Zukunft. So arbeitet Schwabe an "Pro benefit" mit, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird. In diesem interdisziplinären Modellprojekt werden Wege erarbeitet, die zu einer gerechten Nutzung der Heilpflanzen im Amazonas-Tiefland von Ecuador führen sollen. Damit werden nicht nur die Belange des Naturschutzes, sondern auch die Interessen der Ureinwohner in diesem Gebiet berücksichtigt.

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Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG
Kommunikation und Neue Medien
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